Zehn Fragen an Oliver Jörg
1. Herr Jörg, Sie sind 1993 in die Junge Union eingetreten, mit 25 wurden Sie Vorsitzender des RCDS in Bayern. Wie wurde Ihr politisches Interesse geweckt?

Für politische und wirtschaftliche Zusammenhänge habe ich mich schon während meiner Schulzeit interessiert. Sensibilisiert wurde ich aber vor allem als Zivildienstleistender für Fragen im Umgang mit behinderten und kranken Menschen. Begeistert hat mich dann während meiner Studienzeit die Hochschulpolitik. Der RCDS bot eine tolle Plattform, um sich auch als junger Mensch in den damaligen Veränderungsprozess an den bayerischen Hochschulen einmischen zu können. Gefallen hat mir dabei auch das Interesse des damaligen bayerischen Kultusministers Dr. Hans Zehetmair an unseren Ideen. Da habe ich erfahren, dass Politik weit mehr ist, als nächtliche Diskussionen in verrauchten Hinterzimmern mit ein paar gleichgesinnten Parteifreunden: Wer will, kann selbst mitgestalten und tatsächlich was verändern.

2. Politik ist für Sie?

Mit anderen gemeinsam und vor allem mit den Menschen Würzburgs zusammen die anstehenden Herausforderungen meistern. Dabei ist mir das wichtigste, dass neben den fachlichen Auseinandersetzungen und Diskussionen ein enger Kontakt zu den Menschen besteht. Denn die Sorge eines jeden Menschen verdient, ernst genommen zu werden.

3. Politik ist für Sie also eher Beruf oder Berufung?

Die Wählerinnen und Wähler haben mir ihr Vertrauen geschenkt und mich in mein Amt berufen. Dafür bin ich dankbar und daraus entsteht eine besondere Verpflichtung und Verantwortung. Ein Politiker muss auch mit Leidenschaft dabei sein, sagt Max Weber. Gleichzeitig möchte ich betonen, dass  sehr viele Menschen tagtäglich in ihrem Job großes Engagement und großes Verantwortungsgefühl beweisen.

4. Wofür möchten Sie sich insbesondere einsetzen?

Als Mitglied des Sozialausschusses im Bayerischen Landtag trete ich für ein familienfreundliches und solidarisches Bayern ein. Die Förderung von Kindern und die  Stärkung von Familien gehört ebenso dazu, wie die Qualität in der Pflege zu sichern. Als Hochschulpolitiker  setze ich mich insbesondere für die  Stärkung und Weiterentwicklung des Wissenschaftsstandortes Würzburg ein, zum Beispiel indem ich den Ausbau der Universität am neuen „Campus der Zukunft“ am Hubland aktiv begleite.

5. Haben Sie ein Vorbild?

Lebende Vorbilder begegnen mir täglich. Ich habe hohen Respekt vor Menschen, die trotz so mancher Schwierigkeiten ihr Leben meistern und Verantwortung für andere übernehmen. Sei es als Inhaber eines Familienbetriebes oder als Mitarbeiter, der gefordert ist, als Arzt oder als Pflegekraft, oder auch als Straffälliger, der wieder „die Kurve“ bekommen hat. Sicherlich gibt es einige Persönlichkeiten, die die Ausrichtung meines politischen Handelns besonders geprägt haben. Es sind vor allem die Gründungsväter der Bundesrepublik und die der CSU. Und wenn Sie nach einem konkreten Namen fragen, dann darf ich Ihnen Dr. Adam Stegerwald nennen, den Gründer der CSU Würzburg.

6. „Näher am Menschen“ ist der Slogan der CSU – was bedeutet das für Sie?

Die Sorgen eines jeden einzelnen Menschen ernst zu nehmen und sich die Zeit nehmen, mit den Menschen über Ihre Anliegen zu sprechen.

7. Herr Jörg, was heißt für Sie heute, konservativ zu sein?

Veränderungen nicht als Selbstzweck zu sehen, sondern für eine Politik des „geprüften Fortschritts“ zu stehen. Der Fortschritt soll dem Menschen dienen, er darf ihn nicht überfordern oder verängstigen. Konservative Politik bedeutet nachhaltige Politik: Lösungen, die eine langfristige Orientierung bieten. Es heißt auch, nachhaltig mit unseren Ressourcen umgehen; die Schöpfung zu bewahren ist ein zutiefst konservativer Wert. Für mich ist außerdem wichtig, den Wert der Familie zu schützen. Letztlich verbinde ich aber mit einer konservativen Politik, auch bei politischen Entscheidungen an christlichen Wertevorstellungen anzuknüpfen.

8. Ihre Vision für eine Gesellschaft 2020?

Die Verwirklichung einer Aktiven Bürgergesellschaft, in der der einzelne Verantwortung für sich und andere übernimmt; ein Gemeinwesen, in dem Staat und Gesellschaft die zukünftigen Herausforderungen Hand in Hand in Angriff nehmen. Ich sehe den Staat hierbei als aktivierendes Element, der Bürgerinnen und Bürger zum mitgestalten ermutigt und Hilfe zur Selbsthilfe bereitstellt.

9. Sie sind in Aalen im Ostalbkreis geboren und 2000 nach Würzburg gezogen. Die Metropole Mainfrankens ist also Ihre Wahlheimat. Was schätzen Sie an Würzburg?

Würzburg hat viele interessante Facetten. Hier verbindet sich traditionelles Handwerk mit der Erforschung und Entwicklung moderner Technologien. Im Wirtschafts- und Wissenschaftsbereich steckt großes Potential und es bleibt spannend, an unseren Chancen und Möglichkeiten weiter zu arbeiten. Gleichzeitig ist Würzburg als fünftgrößte Stadt Bayerns nicht zu anonym. Viele Würzburgerinnen und Würzburger lerne ich persönlich kennen, das ist mir ganz wichtig. Ich schätze das breite Kulturangebot der Stadt und die großartigen Sehenswürdigkeiten; verbunden mit den Namen Balthasar Neumann und Tilmann Riemenschneider hat Würzburg sehr viel zu bieten. Nicht zuletzt mag ich die durch die Weinberge geprägte Landschaft sehr und freue mich auch gerne über ein gutes Glas Frankenwein.

10. Ihr Lebensmotto?

Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen,
die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern,
die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
(Reinhold Niebuhr)